freiheit, so a schmarrn

 

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der wohlverdiente ausflug ins richtige leben, das regnerische, führte mitten in eins der lendenstücke der philosophie, das abwägen : was nun, kriton, ist schlimmer?  sag mal: ist es das  ins bunte gefasel der mitnahme-lebenshilfe-heften eingebettete plakat der studentenmission deutschland, erlebnischristen mit ihrem ’alltagsrelevantem’ zeug, die mit ihrer zweitägigen veranstaltung “multiple choice – du hast die wahl” die frage der freiheit diskutieren und auf seelenfang gehen – oder die anschlussbeobachtung:  angelockt durch die gezückte kamera und getrieben von der (ich denke doch) lässlichen sünde der gier schaute sich die im bildrand zu sehende dame das plakat an und wand sich angeekelt ab;  “freiheit, so a schmarrn!” schnaufend und zum jüngst eröffneten bäckereieck-tresen humpelnd, wo sie, so ist zu vermuten, der multiple choice zuckriger backwaren in dieser sich vom ‘wir hatten ja nichts’ zum übermaß angehamsterten gesellschaft anheim fiel.

(soeben in bayreuth)

du gleichst dir, du gleichst. wiedergefunden.

schön das: auf neuem lieblingsblog alte lieblingsübertragung von paul éluard finden. aus: Badiou , B:  Herzzeit. Ingeborg Bachmann – Paul Celan Der Briefwechsel, Frankfurt am Main 2008: S. 87f. die liebe zu den letzten zeilen.

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“Nous avons fait la nuit
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Die Nacht ist begangen, ich halt deine Hand,
ich wache, ich stütz dich
mit all meinen Kräften.
Ich grab, tiefes Gefurch, deiner Kräfte
Stern in den Stein: deines Körpers
Gütigsein – hier
soll es keimen und aufgehn.
Ich sage mir deine
Stimmen vor, beide, die heimliche und
die von allen gehörte.
Ich lache, ich seh dich
der Stolzen begegnen, als bettelte sie, ich seh dich, du bringst
den Umnachteten Ehrfurcht entgegen, du gehst
zu den Einfachen hin – du badest.
Leise
stimm ich die Stirn jetzt ab auf die deine, stimm sie
in eins mit der Nacht, fühl jetzt
das Wunder dahinter: du wirst mir
zur Unbekannt-Fremden, du gleichst dir, du gleichst
allem Geliebten, du bist
anders von Mal zu Mal.”

 

 

schnipsel aus dem ausnahmezustand.

where will i keep all of you, mhm?

Fink, 2013, p 324: “As project, as design for a different, less-ugly ‘world’, the dream is as necessary to political subjects, transformers of the world and not adapters to it, as it is fundamental for an artisan, who projects in his or her brain what she or he is going to execute even before the execution thereof. (Freire, 1994, p. 78)

 

 

 

 

alice walker

pumla gqola posted this alice walker citation in the morning, it came in a good moment:

“I get tired and sometimes I get really sick and I have learned over time to pay attention to that because I can go very far down…. I’ve learned that you have to take time to heal yourself, to take care of yourself, to do those things that replenish you, and then you are able to give out of the fullness of yourself and not out of your poverty. But it takes a lot of learning. It took me a long time to learn that.” – Alice Walker

A Working class heroine is something to be.

Seit einigen Tagen bin ich arbeitslos. Das ist derweil in Ordnung, und auch nicht außergewöhnlich – die zu überwindende Wegstrecke zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen, die das akademische Getingel so mit sich bringt, geht man nicht allein. Als ein gemeinhin dem Leben zugewandter Mensch, ergehe ich mich gerne in diesem momentanen Zustand und versuche, aus den Umständen gute Erfahrung oder jedenfalls schöne Fußnoten zu destillieren. Gonzo-Empirie. Ich mache also Dinge, die Arbeitslose in Wille und Vorstellung (beides: meine) so tun: Werktags um halb elf Uhr morgens einkaufen gehen. In der Wochenmitte just nach der etablierten Mittagspausenlücke in Photographie-Ausstellungen, gegen halb vier Uhr nachmittags ins Hallenbad. Bis in die Puppen Lyrik-Blogs lesen. Patchworkdecken- und Jacquardvernissagen, sektschlürfend. Auch: überlegen, ob ich wirklich den Kaffee jetzt brauche, macht wieder 2,80 Euro. Bewerben musste ich mich noch nicht, auch noch keine interkulturellen Spielchen oder Rhetorik-Kurse mitmachen; da wollte ich ohnehin mal fragen, ob ich sie anbieten sollte.

Neue Erfahrungen hingegegen habe ich schon einige im Handtäschchen: Am deprimierendsten ist es tatsächlich um halb elf Uhr vormittags, wenn die Crystal Meth-Versehrten Oberfrankens Schnittbrot kaufen gehen. Hallenbadwasser schmeckt in der Tat süßer, wenn viele alte Menschen darin herumschwimmen. Schon ganz schön viele von uns unterwegs, hier. „I am lonely“, sagt Warsan Shire, „so I do lonely things“. So ist das auch mit uns Arbeitslosen, und wie die Einsamen erkennen wir einander. In der Ungetaktetheit ihrer Tage fallen alle in ein Schublädchen, die aus dem Rahmen fallen: Die Alten, die Siechen, die Drogenmenschen, die Mütter, die Schulabbrecher, die Schulschwänzer, die Irgendwie-Gerade-Auf-Pause-Gestellten. Seit Neuestem sprechen mich bereits ältere Herren im öffentlichen Raum an, im Theater zum Beispiel – ob wir uns nicht aus dem Dampfbad kennen? Aber ja, es könnte durchaus sein; auch sie sind ja nicht Teil der agilen und bezahlten work-force, auch ihre work-life-Balance hat schwere Knochen, dennoch empfinde ich diese Art der Anspielung auf gemeinsame Leicht-Bekleidetheit als unangemessen.

Natürlich arbeite ich trotzdem die ganze Zeit, das ist ja selbstverständlich, in einer Vielzahl von den bekannten Wir-nennen-es-Arbeit-Projektchen herum, über die schon hinlänglich berichtet wurde; eines davon der Abschluss einer akademischen Großbaustelle, deren Gemeinplatz des Leidens mich seit Langem langweilt und den ich hier nicht wiederholen möchten. Bisweilen bin ich einfach zu beschäftigt für Automatenspiel um Viertel nach Eins, oder ein Herrengedeck um die Vorabendserienzeit herum, ich muss dann ab und an den Allianzen, die sich zwangsläufig bilden, absagen: Muss noch was fertig kriegen, tut mir leid. Die Erkenntnishaftigkeit des ganzen Prozesses schmeckt auch etwas schal, so lauwarm chlorsüß auf der Zunge. Was hiervon bleiben wird ist nicht die Überzeugung, dass ein schöner Tag ein geregelter ist, sondern, dass die Zwänge, denen man unterworfen ist, sich in Sanftheit äußern, Zuckerbrot. Und, dass ich das Ende dieser Zeit begrüßen werde, so es vor der Tür steht.

 

(Tat es. 13. )