fräulein fink findet


neu!sexy!hot!feminismus?
July 28, 2008, 8:34 pm
Filed under: formen des zusammenseins, wichtig!

ZÁTOPEK IM CLUB VOLTAIRE TÜBINGEN präsentiert

29. JULI 2008

ab 20.30 h

NEU! SEXY! HOT! – FEMINISMUS?

Der Feminismus erlebt gegenwärtig, dies suggeriert eine Medienlese zwischen Zeitungsfrühstück und Spätabend-TV, eine ungewohnte Popularität. Bücher wie „Wir Alphamädchen“ und sein US-amerikanischer Vorläufer „Full Frontal Feminism“ verzeichnen hohe Verkaufszahlen, insbesondere aber füllen sie die Zeilen der Feuilletonistinnen (und Feuilletonisten). Ein derart betitelter „Neuer Feminismus“ war das Fräuleinwunder der Kulturteile des Frühjahrs 2008, begleitet von einer multimedialen Entourage, die sich weiterhin als diskursive Trittbrettfahrerin präsentiert – dies in beachtlicher thematischer Breite: Lady Bitch Ray, Rapperin mit hoher Schlagzahl in Sachen Vulgarität (ver-)handelt ihr Werk unter dem Aspekt weiblicher Selbstbehauptung; der Roman „Feuchtgebiete“ der Moderatorin Charlotte Roche tut mit seinem aufs Anale fixierten Dekonstruktionsversuch des kulturellen Reinlichkeitszwangs nichts anderes. Die Protagonistinnen des ‚neuen’ Feminismus sind, polemisch verkürzt, erfolgreiche Teilzeit-Guerilleras mit rasierten Beinen und kulturellem Kapital im Handtäschchen, die gelegentlich gerne Pornos schauen und beim Sex auch mal unten liegen können, ohne die feministischen Felle davon schwimmen zu sehen. Vor allem aber sind sie mit den Strategien der Popkultur vertraut und verstehen es, diese medienwirksam zu nutzen.

Inmitten dieses beachtlichen Medienrauschens ist unser Schlager der Saison ein „-ismus“ unter vielen – akademisch institutionalisiert, feuilletonistisch besprochen, teilweise gelebt, häufig abwesend. Außerhalb der Medien und Institute blüht die Tradition: Frauen verdienen in diesem Land noch immer weniger als ihre genital abweichend bestückten Mitmenschen. Frauen sind folglich noch immer meist Vollzeitelternteil, unbezahlt, versteht sich. Frauen werden vergewaltigt, im vertrauten Umfeld geschlagen, fallen wahrscheinlicher Abhängigkeiten anheim, schlucken häufiger Hormone, um wahlweise nicht oder doch endlich zu gebären, bezahlen häufiger Ärzte, um Fett aus oder Polymere in Körperteile/n zu bekommen, haben häufiger Pfefferspray in der Tasche und (Anlass zu) Angst auf dem Nachhauseweg. Ist diese Bilanz in Anbetracht des feministischen Erbes als ein Scheitern zu beurteilen? Müssen deshalb die gleichen Aufrufe zu Wut und Fundamentalkritik immer wieder neu gestartet werden? Braucht es einen an die Lebensumstände der Post-X-Akteurinnen angepassten Feminismus? Oder eher eine ernsthafte Re-Lektüre der Klassikerinnen?

Zátopek diskutiert Fragen um die Aktualität des Feminismus mit Frauen aus Theorie und Praxis, die sich auf unterschiedliche Arten mit dem Thema beschäftigen. Wir wollen wissen: Was ist ‚neu’ am ‚Neuen Feminismus’? Sind derartige Kategorisierungen nötig? Sind sie förderlich? Ist es ein Gewinn, dass Feminismus nun auch sexy ist (und macht), konsumierbar, gelistet in den Verheißungsblättchen der Lifestyleangebote? Ist das Freiheit? Im Gespräch mit unseren Diskutantinnen und Ihnen, wertes Publikum, werden wir ein Medienphänomen inklusive seiner ideologischen Verortungen beleuchten und kritisch lesen. Feminismus heute – Erbantritt und zeitgemäße Nutzbarmachung der Überzeugungen der älteren Schwestern oder „lipglossschnutige Betroffenen-Peer-Group“ (Barbara Gärtner) mit Zielbahnhof Opferkollektiv? Und wo stehen Sie? Wir freuen uns auf Ihre Fragen, Meinungen, Ihr Interesse!

EINE DISKUSSION MIT

ANGELA TIEFENTHALER (fiber – werkstoff für femismus und popkultur, www.fibrig.net, Wien/Berlin)

YVONNE WOLZ (MädchenGesundheitsLaden, feministische Beratungsstelle Stuttgart)

PROF. DR. SUSANNE MAURER (Erziehungswissenschaft, Universität Marburg) und IHNEN

WWW.IMMERDIENSTAGS.DE



monsieur césaire revolts in some place called heaven
April 18, 2008, 10:55 am
Filed under: lesen, wichtig!

aimé césaire died yesterday, at an almost heavenly age of 94. read his ‘cahier d’un retour au pays natal’ (again), it hasn’t lost its sparkling anger, the one these days need as all those before did. may you, monsieur césaire, walk on in peace and keep up your revolt in the presence of this beautiful lady called death. perhaps this ‘there’ resembles the one you once described in your ‘prophecy’: “là où la mort est belle dans la main comme un oiseau/saison de lait”.



achtung! new expression!
November 23, 2007, 10:03 am
Filed under: kleinkram, wichtig!

at the moment one of the things i just love occupying my mind with is a little power surf now and then into the feminist blogosphere. there are quite some nice ones around, and quite a number are not worth being read. the fact that i havenT made up my mind yet how to distinguish in a number of cases allows me to skip the procedure of putting lil links on the words “nice” and “not worth” mentioned in the sentence above. let me just put it like this: i like feministing.com for their links (see my last post, thanks for that, sisters!) and i sometimes like bitch ph.d.. the last one introduced a nice new expression to erase that macho saying: “do you’ve got the balls for that?” with the giggling version of: “do you’ve got the skirt for that?” though we know the underlying assumption girl in skirt needs boy with balls is the problem that makes this world go round the way it does, i want to broaden that idea and get in on in german as well, i’d like to put it like this: “hast du überhaupt das kleine schwarze dazu?”. grrrrrr. time to play ideology.



Listen To Mr Adewale Maja-Pearce
October 21, 2007, 2:36 pm
Filed under: erlebt, ehrlich wahr, gelesen, lesen, wichtig!

In Plochingen, einem ländlichen Bahnhof auf halber Strecke zwischen Stuttgart und Tübingen, den ich nicht auf der Landkarte verorten könnte, obwohl ich ihn schon Hunderte von Malen passiert habe, den Kopf in einem Buch, Musik in jenem Kopf, oder einem Gedanken an die letzte Nacht, den kommenden Tag nachgebend. Plochingen also, wie viele nichts sagende Orte dieser Erde mit einem Hundertwasser-Haus bedacht, und oft belausche ich (vorgebend, den Kopf in einem Buch, Musik in jenem Kopf zu haben, oder einem Gedanken an die vorangegangene Nacht, den kommenden Tag nachzugeben), wie Mitreisende sich austauschen: Ach, Plochingen… Da gibt es doch dieses Hundertwasser-Haus. Ja, das gibt es. Hier in Plochingen riecht es nach Lavendel, nach der spätsommerlichen Schwermut, die ich mit ihm verbinde, er kriecht hier wohl aus Mauern aus unbehauenem Stein, der Lavendel in Plochingen, stelle ich mir vor, und schreibe auf mein innerliches Notizblöckchen, dass ich wirklich mal nachschauen müsste, ob Lavendel so überhaupt wachsen kann, zwischen unbehauenen Steinen heraus. In jedem der denkbaren Fälle wuchert er einer späten Blüte entgegen, hier irgendwo, dem Herbst widerstehend, in einem gezähmten Dickicht (oh, castrated world!), in einem Vorgarten womöglich.

Plochingens Lavendel überfällt mich mitten in der gedanklichen Verschwisterung mit der ausgesprochen guten Essaysammlung REMEMBERING KEN-SARO WIWA AND OTHER ESSAYS. Ich hatte den Autor, ADEWALE MAJA-PEARCE (keep this gentleman in mind!), auf der Frankfurter Buchmesse kennen gelernt, wo wir für zwei unterschiedliche, im Grunde nicht allzu unterschiedliche Verlage in der Halle für ähnlich marginalisierte Flecken dieser Erde wie Nigeria und Kamerun beschäftigt waren; er für seinen eigenen, „New Gong Publishers“ aus Lagos, ich für „Exchange&Dialogue“ aus Douala. Ich hatte ihn nicht als Autor kennen gelernt, sondern als Nachbarn, und zuallererst als Gatten seiner einnehmenden Frau, der Künstlerin Juliet Ezenwa. Bei einem Glas an unserem letzten gemeinsamen Abend sprachen wir über die amouröse Leistungsfähigkeit junger Männer hier und dort, die Grenzen dieser und lachten über die kulturell omnipräsente Figur der dominanten Mutter, Affären und die gegenwärtigen Parameter der „measure of pain and pleasure“, wie es in einem Lied der Green Pajamas so nett über Bekanntschaften heißt. Ich wusste damals noch nichts von den Aufsätzen über Nigeria, Rwanda, Togo und Zambia, aus deren dichter Beschreibung und kluger Analyse mich der Lavendelduft Plochingens abrupt reißt: Afrikas Gegenwarten aus der Perspektive des nigerianischen Autors, Verlegers, Journalisten. Bestechend scharf, fordernd, genau, voller Sarkasmus. Insbesondere der über den Rückstrom der Flüchtlinge ins Rwanda nach dem Genozid, „Africa’s Long March“ – wie treffsicher (seine Kredibilität hat er mir bewiesen) der Autor die Szenerie erfasst, plastisch macht und analysiert, ist beeindruckend. Zwei Mal taucht die folgende Szene in der Sammlung auf: Eine Fotografin, „young, blonde and pretty“, arrangiert sich ein Bild, ein Bild, das hinlänglich bekannt ist: Das Afrikanische Kind, eher schmal, großer Kopf und dürre Ärmchen, von oben im Bild festgehalten, riesige Augen, feucht, dringen in die Kamera. Man imaginiert Mücken. Nun, die junge Frau arrangiert,

„smiled apologetically at the adults around her in tacit acknowledment of the brutal arithmetic that she was busy exploitin, and gently tilted the child’s headjust a fraction more upwards so that his big black liquid eyes were more obviously directed towards the heavens, and then she resumed her click click clicking, working away diligently while The African Child obligingly held his pose and the adults continued to stare.”

Der Blick aus den großen Kinderaugen – Spendenschecks, Weihnachts-Bittbriefe – subsumiert das medial präsente Afrika, den Kontinent, auf dem sich die Schmeißfliegen eingefunden haben, und der hilflos ist, der unserer Rettung bedarf. Wir, so sagen die Betrachter in Europa und Nordamerika nach dem Kauf der einschlägigen Quellen am Kiosk, Samstagmorgen, Kaffee, Toastbrot und Elend. Hilfe von denen, die in die Augen des Kindes schauen, und dies mit einer psychologisch schwierig zu erfassenden Lust am (Mit-)Leid tun. Maja-Pearce benennt diesen Blick, wer könnte das nicht, aber er schaut weiter um: Um die Fotografin herum stehen ältere Männer, erwachsene Rwander, diejenigen, die überlebt haben.

„…adults continued to star. I wondered how much she had paid them. Most of the refugees were hungry, which is part of the condition of being a refugee. I had seen them scramble without any hint of pride or shame for the biscuits thrown by local people from passing vehicles.”

Diese Szenerie, das Beobachten des Fotografierens, ist es, die Maja-Pearce seziert, die ihm Anliegen und Auftrag ist.

„What we were watching, in effect, was a phenomenon in which the West was talking to the West in order to raise yet more money in the West, which also meant that the African refugees in whose name all this activity was taking place were curiously peripheral.“

Adewale Maja-Pearce schreibt gegen die Rezeption Afrikas als ewiger Hungerleider an, er engagiert sich für die intellektuelle Macht des Kontinents und seiner Diaspora, aber mehr und schärfer und besser als andere treibt er einen Diskurs um Würde und etwas, das man Solidariät nennen könnte, voran; ein gefährliches Konzept in den ausnahmslosen Staaten, (die liegen dies- und jenseits des Ozeans), in denen sich moralische Integrität an der verfügbaren Menge an Naira, Euro, Dollar oder Währungen, die ich erst nachschlagen müsste, entlang hangelt, ein angreifbares Konzept, in dem die Suche nach Schuld und Mitschuld zum Prüfstein möglicher Zukünfte wird, ein Konzept, das – so lese ich zwischen den Zeilen der scharfsinnigen und literarisch gekonnten Essays – das entscheidende Programm für eine Art von Humanität wäre, die Not täte, dies- und jenseits des Ozeans.

Gegen eine solche Abstraktion würde Maja-Pearce gegebenenfalls Einspruch erheben, so stelle ich mir ihn vor, er würde es mit feinem Humor tun, denn er verortet die Krisenzustände, fernab eines verwässerten ethischen Relativismus: Hier geht es um afrikanische Probleme, ohne Frage angelegt, aber auch hausgemacht. Er fragt, auf den Straßen von Kigali:

„Besides, where were the African agencies and governments in all of this, content as they were to let foreigners feed their brothers and sisters? Poverty wasn’t the issue but political will, or the lack of it, but then poverty was never the issue, only the excuse.”

Und er schließt seinen Essay mit folgenden Worten, listen to this gentleman, listen, fresh young graduates from the West und alle anderen auch:

“This was the reality, and not made any more palatable by the fact that the continent itself (and not only Rwanda) appeared to believe that the solution to all problems African lay in the hands of fresh young graduates from the West, people for whom Africa could never be more than a photo opportunity.”

 

LESEN SIE DIESES BUCH, DIE DAMEN UND HERREN!

www.thenewgong.com

 

(Schön in Ergänzung zur Frage nach der Verknüpfung von Person und Geschichte die Antwort von Wole Soyinka, ob er seinen vermeintlichen Rück-Klau eines (leider gefälschten) Yoruba-Bronzekopfs , Ori Olokun, aus Brasilien der afrikanischen oder der nigerianischen Bevölkerung widmete:

“No, no, no…It was personal, historical.” )