iM happy to know you, sorcerers.

Leave a comment
a poem a day / art & stuff

Sorcery 
by Jessica Hagedorn

there are some people i know
whose beauty
is a crime.
who make you so crazy
you don’t know
whether to throw yourself
at them
or kill them.
which makes
for permanent madness.
which could be
bad for you.
you better be on the lookout
for such circumstances.

stay away
from the night.
they most likely lurk
in corners of the room
where they think
they being inconspicuous
but they so beautiful
an aura
gives them away.

stay away
from the day.
they most likely
be walking
down the street
when you least
expect it
trying to look

ordinary
but they so fine
they break your heart
by making you dream
of other possibilities.

stay away
from crazy music.
they most likely
be creating it.
cuz when you’re that beautiful
you can’t help
putting it out there.
everyone knows
how dangerous
that can get.

stay away
from magic shows.
especially those
involving words.
words are very
tricky things.
everyone knows
words
the most common
instruments of
illusion.

they most likely
be saying them,
breathing poems
so rhythmic
you can’t help
but dance.
and once
you start dancing
to words
you might never
stop.

Nachruf auf eine, die glücklich machte.

Leave a comment
a poem a day / bekanntschaften / erlebt / formen des zusammenseins / wichtig!
e is for epic frau weiss

Nachruf auf eine, die glücklich machte

Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, bekommen Nachrufe geschrieben, wenn sie sterben. Da steht dann die meist durch Zitate angereicherte Auflistung ihrer Lebensleistungen, feuilletonistisch-visionär aufbereitet, mit der dem Genre angemessenen Betroffenheit. Oft schlummern diese Texte schon auf Vorrat im journalistischen Schublädchen, hat die oder der Betreffende die magische Grenze der 85 Jahre überschritten.

Was aber ist mit denen, deren Leistungen für die Öffentlichkeit sich nicht so klar bemessen lassen? Die weder Bücher geschrieben, neue Behandlungsmethoden entdeckt noch Leinwände gewinnbringend bemalt haben? Die Tag für Tag der gleichen Tätigkeit nachgegangen sind? Die durch ihr Wirken im Hintergrund die Institutionen haben funktionieren lassen? Mit jenen Menschen, die durch ihre alltäglich verrichteten Arbeiten die schönen, die Feiertagsmomente ermöglichen? Die, nicht immer unproblematisch mit all ihren komplizierten Leben und biographischen Brüchen, die noch komplizierten Lebenslagen anderer mit Interesse begrüßt haben. Richtiger wäre zu sagen: Mit Interesse und freundlicher Neugier, jenen großen Gaben, die die Welt zu einem menschlichen Ort machen.

Eine von ihnen ist Karin Weiss. Unsere Karin Weiss. Kartenverkäuferin, Urgestein und guter Geist des Iwalewahaus. Um Karin Weiss, die in dieser Woche verstorben ist, trauern heute viele Menschen auf der ganzen Welt: Künstler_innen und Wissenschaftler_innen, die als Gäste alle am von ihr reichlich bestückten Küchentisch im Iwalewahaus zusammenkamen. Frau Weiss stand in der Dankesliste vieler Ausstellungen – ohne sie, die sie hinter ihrer Verkaufstheke im Iwalewahaus Eintrittskarten verkaufte und über Publikationen, die sie in ständiger nicht-formalisierter Fortbildung las, informierte, wäre viel weniger möglich gewesen – in der Münzgasse und, so war der Plan, nun im neuen Haus in der Wölfelstraße: Ihr Türschild klebt schon im zweiten Stock des Hauses. Oft gab es Mittwoch nachmittags jene Nussecken, die Frau Weiss’ claim to fame in der globalen Kunstwelt waren. “So-was-wie-Familie”, so hat sie diese einzigartige Gemeinschaft von Leuten von überall her einmal genannt. Zum Kern dieser Familie gehörte ‘ihr’ Iwalewahaus, um Nadine Siegert und Ulf Vierke herum.

Frau Weiss kannte das Iwalewahaus, diese einzigartige Bayreuther Institution als Zentrum für die Künste der Welt wie nur wenige. Ulli Beier hatte sie kennengelernt; sie hatte Direktoren kommen und gehen sehen — und ein Gespür für die Bewegungen im und am Haus entwickelt wie keine Zweite. “Ich hätte doch meine Memoiren schreiben sollen”, sagte sie beim letzten Mal, da wir uns sahen. Gut, dass sie uns Jüngeren häufig von den alten Zeiten, von Mythos und Wahrheit, erzählt hat. Beim letzten Gespräch reckte sie zum Abschied die Faust aus dem hellen Laken in ihrem lichten Zimmer im Bayreuther Krankenhaus. Zitierte sich selbst mit dem, was sie den kurz zuvor besuchenden Kolleginnen, den von ihr so geschätzen Sarah Böllinger und Lena Naumann, mitgegeben hatte: “Keep on fighting!” Das werden wir, für die Schönheit, unser aller Frau Weiss zu Ehren.

e is for epic frau weiss

Karin Weiss mit großer Geste: Glücklich beim ersten Afro-Metal-Festival im alten Iwalewahaus, 2013.

RSVP by mervyn taylor.

Leave a comment
a poem a day / art & stuff

R.S.V.P.
for Fatisha

I went to the wedding, late as usual,
I walked with my gift in my hand.
I talked to a man who was leaving
who was the leader of the band.

He said, you just getting here?
He took me to one side,
you should have heard us jam,
he said, you shoulda seen the bride.

I shoulda seen the way she held
her head, and tossed the bouquet too,
and her garter when the groom reached
for it, true, the clarinet man whispered, true.

I walked into the hall
confetti and ribbon all around,
I imagined I heard the guests talking
and the rustle of a bridesmaid’s gown.

I heard the speechmaker
wish them long life, joy on the way.
Then I heard the tinkle of glasses
and someone say, play, maestro, play.

I looked for someone to dance with,
there was a girl from the catering crew.
She said you’re late, there’s no music
but come on, I’ll dance with you.

So I danced the dance of latecomers,
guessing the name of the song.
She held her tray in one hand and
I la-la’ed, as she hummed along.

They made a beautiful couple, she said,
she was a lovely bride.
Her dress was peau de soir and lace
and her hair was combed to the side.

You’re lovely too, I thanked her,
and she smiled, her eyes wide.
She shook her head, you think I’m pretty,
you should’ve seen the bride.

So I helped her pick up things
and stopped lamenting being late.
I should have seen the bride, I know
but who knows about fate?

the beauty / the work.

Leave a comment
a poem a day / art & stuff / formen des zusammenseins

… manchmal morgens, nach der ersten abarbeitung, wird man sich gewahr, dass diese art der beschäftigung – erfinden, reden, verbinden, schreiben, die dinge stück für stück verändern – so ziemlich das schönste ist, was man nach und vor den festen tun kann. abgesehen davon, deine haut an meine haut zu halten als die erste und die letzte unserer taten.

inspiration / mindmap:

musik for the coming rains:

“drawing with my eyes” – graham fink

Gor Soudan : Drawing in space

“Homing” – Jenna Burchell

<p><a href=”https://vimeo.com/108775900″>LOVELL CONCEPTUAL presents HOMING by JENNA BURCHELL</a> from <a href=”https://vimeo.com/user33281624″>Lovell Gallery</a> on <a href=”https://vimeo.com”>Vimeo</a&gt;.</p>

# nicht-jubiläum: max von der grün

Leave a comment
art & stuff / c'est: oberfranken

Einer aus dem anderen Bayreuth

“Oft ist schon viel geholfen, wenn ihr freundliche Worte findet, denn Worte können verletzen – oder helfen.” Diese fast zärtliche Feststellung hat Max von der Grün seinem bekanntesten Buch vorangestellt. “Die Vorstadtkrokodile”, einem Stück Jugendliteratur, dem fast jede_r im Laufe der Schulzeit begegnen. Vor 89 Jahren, am 25. Mai 1926, wurde der streitbare, kaum nachgiebige Schriftsteller Max von der Grün, der sich stets als Arbeiter begriff, in St Georgen in Bayreuth geboren. Ein Schild erinnert dort, direkt neben der Kirche, an den berühmten Sohn der Stadt. Allerdings nicht am richtigen Haus.

“Ungeduld” hatte Max von der Grün im Fragebogen der FAZ als seine prägnanteste Charaktereigenschaft angegeben. Und Ungeduld zeichnete sein Wirken aus: Temperamentvoll bis brüsk ging er mit den Mitteln der Literatur gegen Ungerechtigkeiten vor. Und in der Tat: Sein Leben war reich an derartigen Erfahrungen: Von der Grün wuchs — der adelige Namen nur eine Reminiszenz — in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war als Zeuge Jehovas zeitweise im Konzentrationslager Flossenbürg inhaftiert. Von der Grüns Leben war in vielerlei Hinsicht mit der Geschichte dieser Region verwoben — so arbeitete er auch in Selb in der Porzellanindustrie. Als Jugendlicher meldete der noch nicht 18-Jährige sich freiwillig für den Kriegsdienst für die Nationalsozialisten. Er geriet in Kriegsgefangenschaft,  arbeitete danach in Amerika. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, 1948, zieht er ins Ruhrgebiet, nachdem er keine Arbeit in seiner alten Umgebung finden kann. Drei Arbeitsumfälle, die er bis 1955 erlebte, lasse die Arbeitsbedingungen der Bergleute zu seinem Lebensthema werden, das er — Schritt für Schritt — mit den Mitteln der Literatur bearbeitet.

Im März 1961 gründet er mit Gleichgesinnten die »Gruppe 61«. Gemeinsam diskutiert man die Möglichkeiten des Schreibens über Arbeiter_innen und die Arbeit. Von der Grün arbeitet in mehreren Feldern. Die Rolle der Literatur interessiert ihn: Was kann sie leisten, wie kann sie die industrialisierte Arbeitswelt nicht nur beschreiben, sondern ausloten? Aus diesen Überlegungen erwuchs ja die “ Gruppe 61”, die sich diesen Fragen widmete. 1963 erscheint in diesem Geist der Roman “Irrlicht und Feuer”, von der Grüns zweites Werk. Die unverhohlen realistische Darstellung der Arbeitswelt in den Zechen in “Irrlicht und Feuer”, das zu einem Klassiker der Arbeiterliteratur wird, bescheren dem Schriftsteller, dem das Attribut ‘engagiert’ steht wie wenigen anderen, Probleme. Nicht das unwichtigste: Die Kündigung. Die Weichen sind damit, unfreiwillig, gestellt: Max von der Grün lebt nun vom Wort im Mund. Und das nicht leise – er engagiert sich in der Gruppe 61 – und ist mit dem jüngst verstorbenen Günther Grass im Wahlkampf für Willy Brandts SPD unterwegs. Auch Heinrich Böll lernt er kennen, 1964 schon.

Im Laufe der Jahre wird Max von der Grün zum Klassiker einer Art von Literatur, die sich als dokumentarisch und künstlerisch versteht. Seine Arbeit ist ihm immer Festhalten und Ausloten zugleich. 1979 erscheint sein Geschichtswerk: “Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich (1979)”, in dem er – wiederholt anhand seiner eigenen Geschichte hinterfragt, wie die sich das Schrecklichste in kleinen, alltäglichen Schritten herangezogen wird. Im Fokus seiner Werke sind häufig die Kinder und Jugendlichen und die Zwänge, denen sie unterworfen sind. Der durchgreifenden “Diktatur der Angepassten”, wie das Blumfeldt das Jahre später besingen werden.

Am bekanntesten aber sind heute wohl Max von der Grüns Werke für die jüngeren Menschen: “Vorstadtkrokodile” vor allem, die “Geschichte vom Aufpassen”, die noch immer in – hoffentlich – vielen — Klassenzimmern noch eine Rolle spielt. Warum nun dieses? Weil es Courage und Aufrichtigkeit durch die literarischen Mittel lehrt, dabei aufregend und bewegend ist, nicht nur für junge Menschen. Schriftstellerkollege Heinrich Peuckmann hat seinen Respekt für von der Grün in Worte gefasst: Er habe, so der Schriftsteller, ihm als junger Leser gezeigt, dass alles für alle möglich ist und sein muss. “Einer von uns”, schrieb er über sein Vorbild. In dieser Gleichheit, die wohl besser Solidarität genannt werden sollte, unabhängig vom Zeitgeist aufrecht zu erhalten, scheint das Lebenswerk Max von der Grüns auf. Vom Roman zur Reportage vermittelte er das, was er, gefragt von der FAZ, als sein Lebensmotto angab: “Nichts als gegeben nehmen.” (Als Traum vom Glück gab er übrigens an: “Die Zeitung aufschlagen und nichts von Helmut Kohl lesen.”).

2005 verstarb Max von der Grün nach einem Leben voller Umzüge und Umbrüche, voller Worte, voll des Engagements für andere. “Ungeduld” hatte er, es wurde schon erwähnt, einst als die ihm charakteristische Eigenschaft beschrieben. Eine gewisse Ungeduld verspürt man ob seiner Würdigung in Bayreuth: Viel mehr wäre diesem Mann geschuldet als ein Schild in St. Georgen und eine Straße in der Peripherie. Keine starre Materie. Leben udn Lesen würde er verdienen: Ein Lesefest für Kinder und Jugendliche vielleicht. Ein Geschichtenwettbewerb über Courage und Interesse. Eine Tagung zu Arbeiterliteratur im digitalen Zeitalter. Die Nachbarn in Nürnberg waren schneller: Den dortigen Kulturpreis bekam von der Grün 1974 verliehen, den Ehrenring seiner Wahlheimat Dortmund 1987. Den Preis der Stadt Bayreuth, in der er geboren wurde, hat er nie erhalten. 1982 wurde für er für den Kulturpreis der Stadt Bayreuth vorgeschlagen; der Vorschlag wurde abgelehnt. Er wird nicht zu betrübt gewesen sein: Die Lister der Vorgänger_innen des Kulturpreises spiegelt die engagierte Geschichtsvergessenheit des Nachkriegs-Bayreuths. Viel angemessener als dieser Preis wäre die Auseinandersetzung mit dem Werk von der Grüns. Dazu ist auch heute noch Zeit. Man sollte nur nicht zu lange warten.

“civilly disobedient telepathy”

Leave a comment
erlebt, ehrlich wahr

Thinking through an old article again (in which to causal relations are slightly off from the perspective of today), I re-read the full interview with Susan Howe, published in the  Paris Review, from which I had borrowed two, three lines as entry to the argument. Grand words: “There’s a level”, she had said, “at which words are spirit and paper is skin. That’s the fascination of archives. There’s still a bodily trace.” Hey, Susan Howe. And she delivers an apt description of the luring books within the bliss of a decent university library ….

“HOWE:
What I love about university libraries is that they always seem slightly off-limits, therefore forbidden. I feel I’ve been allowed in with my little identity card and now I’m going to be bad. I have the sense of lurking rather than looking. You came in search of a particular volume, but right away you feel the pull of others.

INTERVIEWER

Don’t you quote Dickinson, “Luck is not chance”?

HOWE

That’s right. “Luck is not chance—/it’s Toil—/… the Father of/the Mine/is that old-fashioned Coin/we spurned.” That sense of the spurned book, the hidden one, is intuitive. It’s a sense of self-identification and trust that widens to delight—discovering accidental originals or feeling that you’re pulling something back. You’re rescuing or bringing them into the light. You could call it civilly disobedient telepathy.”