warum verlieben sich tiere?

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erlebt, ehrlich wahr

heute ist der hörsaal zur hälfte gefüllt, es ist ‚kinder-uni’. die stadt, in der ich wohne, verfolgt das konzept, die kleinen gören bereits mit der ersten festen schuhsohle an die marke ‚universitätsstadt’ zu binden. daher gibt es sparkassen-stifte und blöckchen mit den helden aus dem monetären ‚knax-club’ umsonst; gierig greifen die händchen zu, und jene kleinmenschen, mit denen ich hier die hörsaalbank drücke (so würde man das im missachteten genre der pauker-filme sagen: die schulbank drücken), nehmen gleich drei bis vier, denn man weiß nie: schlechte zeiten, baisse, bedrohung von außen – man weiß nie, was da kommen könnte, da hat man besser was zum schreiben. ob sie im fall der fälle das nächste ‚slaughterhouse five’ verfassen würden, überlege ich, und komme zum schluss, dass dies wohl eher nicht aus ihrer feder flösse, beziehungsweise mit dem sparkassen-bällchen aufs papier gerollt würde. viel wahrscheinlicher schon eine karikatur zur sachlage, denke ich mit dem blick aufs blatt neben mir, auf dem keine notizen zum zu verhandelnden liebesleben der tiere zu sehen sind, sondern das eine schmähzeichnung des referenten zeigt. fast stolz bin ich, aber es sind ja gar nicht meine. die stimme der ansagerin erhebt sich zögerlich, es solle aber nun wirklich mal ruhe sein, warum brüchige stimmen wie diese immer aus zu großen, erdfarbenen kleidungsstücken dringen würde ich gerne wissen, mehr noch, als die antwort auf die frage, warum sich denn nun auch die tiere ‚verlieben’ zu erhalten. warum all der schlick, der schlamm, das furchen erzwingende schlupfen, das eindringen von allwetterschuhen ins nasse darunter, warum waldfeuchter untergrund und modriges, warum all das, was da mitklingt, wenn ich mit mode dieser art konfrontiert werde, die den ausdruck anti-mode nicht verdient? sie bittet, diese stimme, um aufmerksamkeit und ordentliches gehabe, und dann geht es los. nun wird der frage nach der amour fou im tierreich nachgestiefelt, und erste anzeichen von gekichere kommen auf, als sich unter die abbildungen kopulierender insekten und säugetiere ein brautpaar mischt, das vollständig bekleidet innige küsse austauscht. ‘geknutscht’ haben hier anscheinend die wenigsten bereits, wenn es nach den zaghaft gereckten händen geht, die sich bei der frage des biologen zum thema positionieren. ‚sexualität’ und ‚erektion’ entlocken neben mir wiederholt verwegene heiterkeit, woraus ich schließe, das ich mir um die street credibility der mich begleitenden kurz gewachsenen keine sorgen zu machen brauche. schön zu sehen ist, wie bemüht die worte ‚parasiten’ und ‚liebe = vielfalt’ in schulschrift auf die blöcke gekritzelt werden. (eine andere veranstaltung dieser art brachte den für meine begleitung äußerst kryptischen namen ‚franz kafka’ in krakelschrift auf den schwungblock, ein noch erhebenderer anblick). nach einer stunde ist es dann vorbei und die gewohnt pragmatisch neben mir ausharrenden grundschulkinder werden nun von einer unruhe ergriffen, die nur von leuten ausgehen kann, denen das alles noch bevorsteht, als könnten sie’s nicht erwarten, sich unmenschlich zu verhalten und alle fehler, die schon gemacht worden sind, noch einmal zu begehen, ganz so, wie ohne begriff von der sache das wort ‚injektionsstachel’ zu notieren. dass nur einer wie herbert grönemeyer eine formel wie ‚kinder an die macht’ in die ruhrpöttische abendluft krakeelen konnte, war mir auch schon vorher klar, dass kleine besserwisser, vor allem aber die sie als vorwand nutzende armada von müttern einen derart bedrohlich institutionalisierten eindruck machen können, dass auch dem heute oft zitierten plattwurm die lust auf innerlichkeit verginge, könnte er sie denn sehen, das war mir neu. der von mir als vorwand genutzte grundschüler brüllte jedenfalls beim zuvor projizierten bild eines ganz und gar unbekannten, kaum bekleideten und vollbrüstigen mädchens, das das prinzip schönheit verkörpern sollte, die erlogene behauptung „das ist petra bauer!“ in den saal, und ich kann auch jetzt nicht umhin zu bemerken, dass er es weit bringen wird, hoffentlich.

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kulturalista

2 Comments

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