Neues vom Falten.

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erlebt, ehrlich wahr / formen des zusammenseins

 

Heute sagte eine zu mir, als ich so am Rande bemerkte, dass man ja doch über einige Dinge sinnieren könne, während man sich der stumpfsinnigen Tätigkeit, der wir uns für acht Euro in der Stunde von sieben bis sechzehn Uhr widmen, hergebe – über dies und das, größere Themen oder auch kleinere, flüchtige Gedankensplitter, die man mit dem Staub und den überschüssigen Pappstücken aufkehren und entsorgen oder aber zwischen die Finger nehmen und ins Licht halten könne – sie antwortete also eher besorgt auf diese Äußerung, dass vielleicht etwas mit meinem ‚chi’ nicht stimme . Dass es gegebenfalls nicht richtig fließen könne . Sprach sie und blickte kurz von der Kartonage auf. Ich ebenfalls.

 

Im Umlaufsystem, in dem ich mich hier bewege, sind derartige Versatzstücke aus dem Esoterischen zusammen mit der mythischen Geheimsprache der Reiseprospekte ein Quell unzähliger Kommentare und Fußnoten. ‚AI’ , in der Pause, der ersehnten, ins Gespräch fallen gelassen und vehement erörtert, bedeutet die Vorzüge des ‘All Inclusive’-Urlaubens; mit den ‚Watchies’ wird die lokale Abnehmgruppe bezeichnet. Während wir uns durch den Morgen und den Mittag falten, besprechen wir dies und das über die Frühstücksradioklänge und das Rattern der Maschinen hinweg. Wir sind hier aus den gleichen Gründen, auch wenn wir sie, so scheint es uns oft, in unterschiedlichen Sprachen formulieren. Esperanto war nie besonders erfolgreich. Unsere Ethnographien, und nur so kann das forsche Abtasten des Nebeneinanders heißen, sind ambivalent. Wir sezieren unser Gegenüber am Rolltisch, wir tun es stundenlang, während wir selbst offen gelegt werden. Wir verstehen uns und verstehen uns nicht. Ich bin hier in einer bekannten, einer ruhigen, schmerzfreien, angespannten Weise, die albern macht; und ich lerne. Nicht nur die Chiffren des Pauschalen. Ich spreche mich in Biographien ein, während eine tunnelartige Anlage die Plastikummantelung der Verpackungseinheiten zum Schmelzen bringt. Ich höre und bespreche, während die Gabelstaplerfahrer und Vorarbeiter mit ihrer Konstruktionsleistung Männlichkeit hausieren gehen. All dies tun wir alle, bis es vorbei ist. Für heute.

Vielleicht , sinniere ich später, beim Gang über den Hof, Gewitter im Hintergrund, über dem Wald (darum lieb ich alles, was so grün ist), vielleicht hat sie auch Recht und ich bin im Griff meines gestauten ‚chi’. Vielleicht erklärte das. Vielleicht sollte ich morgen fragen, was sie denn damit eigentlich meinte. Vielleicht sollte ich versuchen, überrascht zu schauen, wenn sie sagt, dass das eben so sei, diese Energie. Und dann geht, ohne Weiteres zum Thema.

There’s work to be done.

 

 

The Author

kulturalista

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