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art & stuff / c'est: oberfranken / kuriose begebenheiten
weder fisch noch fleisch

kommentar einer/eines anonymen: ‘weder fisch noch fleisch’. bild: nadine siegert.

update 11.9.12 :

http://www.nordbayerischer-kurier.de/media-gallery/detail/305904/130435

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hier ist die offizielle pressemeldung des iwalewa-hauses zum jüngsten kunstwerk an der außenfassade:

FRAGWÜRDIGES PALIMPSEST?

Die Wandgemälde an der Fassade des Iwalewa-Hauses verändern sich jeden Tag – sie sind Teil eines größeren künstlerischen Projekts, das sich mit der Geschichte des Hauses und seiner Sammlung, aber auch mit der Geschichte Deutschlands beschäftigt. Dabei geht es insbesondere um Rassismus und Faschismus in der deutschen Geschichte, im ‚Archiv‘ der deutschen Sprache und im Alltag der Gegenwart. Die Kunst ist dazu gedacht, Debatten um diese Felder anzuregen, zu irritieren, Menschen zum Sprechen und Nachdenken anzuregen.

Am Mittwochabend nun hat der Künstler Yonamine, unser artist in residence aus Angola, sich erneut mit dem deutschen Wortschatz auseinandergesetzt und das unsagbare „Arbeit macht frei“ in einem seriellen Druck auf Postern, gerahmt durch ein Porträt mit herausgestreckter Zunge (oder einem Knebel, der das Sprechen verhindert?) an der Hausfassade angebracht, als Teil seiner Befragung der deutschen Sprache.

Wir sind, wie viele BayreutherInnen, stark verunsichert durch diese Benutzung und Sichtbarmachung. Die Zitation ist als künstlerische Aneignung eines Begriffs zu sehen, der in unserer Gesellschaft zu Recht unsagbar geworden ist. Das Iwalewa-Haus  steht für die Förderung von freier Kunst, die Dialoge anstößt, weshalb wir uns (vorerst) entschlossen haben, die Poster hängen zu lassen. Wir  freuen uns aber über die Reaktionen der BayreutherInnen: Menschen kommen zu uns ins Haus, möchten die Plakate abnehmen, fragen nach den Gründen und Ursachen… – für uns alles gute Zeichen für die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit einiger BürgerInnen. Wir sehen aber auch die Gefahr der Banalisierung und schleichenden Akzeptanz von Sätzen, die als Metaphern der Barbarei (be)stehen.

Wir positionieren uns als Iwalewa-Haus klar gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus, Faschismus und Sexismus und anderer Formen von Gewalt, in unserer Arbeit, unseren Veröffentlichungen und auch in der Arbeit mit den KünstlerInnen. Wir verstehen Kunst als ein Ventil, um gesellschaftliche Diskurse voranzutreiben, und sind uns der Sprengkraft dieser bewusst, insbesondere in Bezug auf die deutsche Geschichte und die nicht beachteten, verbliebenen Wunden in der Gegenwart. Gerade in Bayreuth und aufgrund der jüngeren Diskussionen um Symbole und Zeichen ist es uns wichtig, diesen Moment für einen Austausch an Stelle der Tabuisierung und Verdrängung zu nutzen.

Was denken Sie? Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Rückmeldung, Kritik, Kommentare zum Kunstwerk und seinem Bestehen und Anwachsen geben. Sie finden neben diesem Kasten eine Box mit Stiften und Papier. Teilen Sie uns Ihre Ideen mit (auch gerne direkt auf der Wand) und werden Sie Teil des Palimpsests.

The Author

kulturalista

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