charms lesend im frühwinter

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daniil_charms

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Acht Tage, nachdem Daniil Charms im September 1933 seinen ersten Brief an Klavdija Vailjevna geschickt hat, legt er seinen erneuten Zeilen das Gedicht ‚Die Freundin‘ bei, das mir heute inmitten seiner „Briefe aus St Petersburg“ (Friedenauer Presse) wieder in die Hände fällt. Ich habe diesen Briefwechsel – von dem nur die Charm’sche Seite abgedruckt ist –  vor einigen Jahren geschenkt bekommen und mich immens in den Schenkenden verliebt; und eine Zuneigung und Verwandtschaft gefunden, die mich heute noch durch einige Tage trägt. Charms fasst das ins Absurde Ausufernde des liebenden Menschen zusammen, wenn er schreibt: „Nein, ich habe mich wieder verheddert. Ich sagen Ihnen lieber alles in zwei Worten: Ich empfinde unendlich zärtlich für Sie, Klavdija Vailjevna!“ Peter Urban, der diesen schönen und traurigen, unbeabsichtigten Monolog veröffentlicht hat, erinnert eine Begegnung mit Nikolaj Ivanovič, als dieser sagte: „Charms war nicht für diese Welt geschaffen. Er war zu zerbrechlich, zu zart“. Die, die wir lieben, scheinen nie zu passen; es ist vielleicht das Umgekehrte daran: diese Welt, die wir nicht bejahen und doch, sie ist zu vulgär im Wortsinne: zu schlicht für die komplizierten , großen und „fernen Menschen“ (wie eine Sammlung der Briefe Tschechows überschrieben ist). Und nur von jenen können wir „besiegt“ werden.

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kulturalista

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