“krosskontinentale metalverständigung”

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frank marshall

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Vor, sagen wir: dreißig Jahren (so beginnen zahme Märchen) stolperte ein Wahnsinniger, ein Visionär, vielleicht auch: ein Revolutionär, in eine angelegte Fügung –  eine oberfränkische Kleinstadt mit hochkulturellem Überbau interessierte sich für  die Grundpfeiler seines Lebenswerk: Kunst und die internationale Verständigung über Kontinente, vor allem über Vorbehalte hinweg. In heute bisweilen oligarchisch und machistisch anmutender Weise gründete er, selbst Intellektueller, Mäzen, Provokateur, Trickster, Lernender, Unruhestifter, gerade zurückgekehrt aus Nigeria, eine Kulturinstitution, die vieles sein sollte: Werkstatt, Labor, Ausstellungsraum, Tonstudio, Archiv, Theaterexperiment – vor allem aber: kein ‘totes’ Museum. Kurz: Das Iwalewahaus. Er kam damit vielleicht dem nahe, was Gottfried Korff als die Doppelbedeutung des musealen “Speichers” definiert hat: respektvolles Bewahren und freudiges, neugieriges Herzeigen, Staunen, Wunder/n.

Das Festival ‘Grenzüberschreitungen’ war eine dieser Kopfgeburten; ein Musikfestival, das, recht multi-kulturalistisch gedacht, Musiker_innen aus unterschiedlichen Regionen von Musik & Welt zusammenbringen sollte und vordefinierte Räume in der Stadt besetzen sollte: Das markgräfliche Opernhaus zum Beispiel. Zur Idee der Überschreitung gehörten auch der Exzess und das Überbordende, das Anstoßende. Art objects eben, wie Jeanette Winterson schrieb; bewegtes Verb. Klar. Bildende Kunst, Theater und Literatur waren da führend. Und immer: die Musik.

Und nun, mehr als dreißig Jahre später (so gehen kühne Märchen weiter), nun stehen sie da, am Nürnberger Flughafen,  so imaginiert man. Harte Männer und Frauen mit Instrumentenkoffern in den behandschuhten Händen.  Hut-, Leder- und Kettenarrangements; und es ist nicht Oktoberfest. Im Gegensatz zur alljährlichenTraditionszimmerei mit anschließender Verwurstung und Suff geht es hier um Kunst. Hier sind sie also: Metaller_innen und Künstler_innen von Weltrang, auf dem Weg in die Provinz. Just in diese Provinz, die jener Uli Beier vorfand, und die heute ein Stückchen großmütiger, neugieriger und irgendwie insgesamt größer erscheint; aber dies ist wahrscheinlich Ausdruck der Arroganz aller Nachgeborenen aller Anfänge: Man stellt sich immer vor, man sei ein Stückchen weiter gekommen, weg von der imaginierten Bräsigkeit der Vergangenheit, diesem einzig fremden Land. Man sei bereits weiter, leide aber trotzdem, denn man bereite ja den Grund für etwas. Narzisstisches Gehabe, klar, abgründiges. Aber: In der Luft hier liegt ja doch diese Zukunftsmusik, ob man es will oder nicht; für die man nur die Ohren zu öffnen braucht. So jedenfalls meint man und  lügt sich abends das Städtchen schön, wenn man durchs bunte Laub des royalen Hinterhofgärtchens schlendert, so wie andere ‘schwere Knochen’ herziehen zur Erklärung der regionaltypisch unförmigen Kinder.

Aber ab morgen ist in der Tat wieder alles anders, die andere, mögliche Welt in der falschen hat den Fuß in der Tür: Denn heute schreibt eine junge Frau über die Fortsetzung einer Idee das folgende: “Das 49°MetalZone ist in vielerlei Hinsicht ein Festival der Grenzüberschreitungen. Es setzt sich aus 5 Elementen zusammen, die am 49,94. Breitengrad in Bayreuth aufeinanderstoßen und ein vielseitiges Bild einer globalen Musikkulturszene projizieren.”  Hell, yes, lady! Es steht einem der Mund offen vor dieser zu erwartenden Leistung. Wie schön, das alles schon vor sich sehen zu können, in der freudig prickelnden Aufregung, die man bisweilen Vorfreude nennt. Oder Ausstellungsaufbau. Wie Weihnachten, nur härter. “Krosskontinentale Metalverständigung”, umschreibt ein Blog das Unterfangen, die Metalszene Afrikas in der Welt in Bayreuth erleben zu können. Gemeinsam erleben zu können mit den Künstler_innen, ganz traditionell. Auch: im Zuschreibungsköfferchen zu kramen und zu sehen: Steht mir auch, das da. Ist letztlich das gleiche. Ist: Sehnsucht, Musik, auf den Tisch hauen, Revolution.

Und heute, mehr als dreißig Jahre später, so kurz vor dem Anfang? Lentekriebel, leichte Verliebtheit in die Figurationen von Ideen, Freude über die Willensstärke und Belastbarkeit ganz junger Frauen hier. Hut ab und Haar herunter, wenn es geht; diese ‘krosskontinentale’ Sache rockt hart.

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kulturalista

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