how i fucked jamal

 

Katharina Fink

Review of

Mieze Medusa & Cornelia Travnicek (Hg_innen)
“How I fucked Jamal”
Milena Verlag

 

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Das sind schöne Geschichten über internationale Beziehungen und Grenzverkehre, die die Herausgeberinnen Mieze Medusa und Cornelia Travnicek „How I fucked Jamal“ zusammengetragen haben. Die 17 Geschichten sind in ihrer Unterschiedlichkeit ein echter Gewinn, nicht nur für diejenigen, die das Ausloten von Grenzen schätzen. Vereinzelt am Klischee schrammende, aber meist bissige Erzählungen verorten sich und uns – und dies der Ritterschlag für den schmalen Band, dessen ornamentale Coverillustration ebenfalls ein Genuss ist – dort, wo wir hingehören: dazwischen. Die Texte sind derart unterschiedlich, dass eine ästhetische Gesamtnote einer unangemessenen Gleichmacherei gleich käme: Literarisch exakt austarierte, poetische Beschreibungen wechseln sich mit eher journalistischen Erzählungen ab. Einige verharren in Andeutungen, andere gehen ganz konkret und benennend zur Sache. Von „mit alles“ bis „ohne scharf“ ist alles dabei: Die Doppelmoral des hip-kosmopolitischen Dorfes „Welt“ kommt wunderbar zum Vorschein in der Geschichte über den ‚gefundenen‘ Bodo, einen Migranten-turned-Sexsklaven aus dem globalen Süden (Johanna Wack: Afrikaner gefunden), die Dekonstruktion von orientalistischen Zuckerträumen erfolgt in den Narrationen über den „Scheiß Deal“ mit einer sexbesessenen Ägypterin und einen grausamen „Zimtbauch“ (Markus Köhle: Nekazet). Eine andere (Cornelia Travnicek: Sonnenhunde) erzählt von einem Freundinnenpaar zwischen Clubbing, versuchtem Teilzeit-Beheimaten und der vergeblichen Suche nach Affronts und Reibereien am Taksimplatz. Die komplexe Erzählung einer kulinarisch-körperlichen Annäherung in „Ein Ort, geprägt von sehr hellem Licht“ (Jan Kossdorf) birgt foucault’sche Küchenweisheit und den herrlichen Satz „Der Trostpreis ist ein Einzelzimmer“. Die für mich schönste, weil so wenig reißerisch wie banal, ist die Erzählung „Reise in die verbotene Stadt La Circunsion“ von Clemens J. Setz über das identitäre Abenteuer einer Vorhautbeschneidung im Schweizerischen. Das Schlurfen über die Flure und die völlige Abwesenheit von Begründungen sagen mehr über die Routen des Liebens als die Reflexion darüber, wie das Simultankaraoke zum Geschlechtsakt korrekt hieße. Dennoch: Darum geht es auch, und gerade diese Melange ist das große Verdienst der Herausgeberinnen. Sie haben einen Band zusammengestellt, der die Klischees, auch die des alternativen Schreibens, aus dem Weg tritt wie Leergut. Glückwunsch!

 

Katharina Fink

AUS FIBER#17 

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